Vor ein paar Tagen saß ich mit einem unserer Kunden zusammen, um den aktuellen Stand seiner Website zu besprechen und wie wir diese für Besucher noch weiter verbessern könnten. Während dieses Gesprächs erwähnte der Kunde, dass er gerne einen Blog integrieren möchte, auf dem er über bevorstehende Veranstaltungen informieren, Fotos und Videos vergangener Events veröffentlichen und allgemeine Ankündigungen machen will.

Unser Kunde wies uns darauf hin, dass alle Inhalte, die später einmal im Blog erscheinen sollten, bereits regelmäßig auf Plattformen wie Facebook, Twitter, Flickr und Youtube gepflegt werden. Als Verfechter der IndieWeb-Prinzipien war ich sofort Feuer und Flamme – nicht zuletzt, weil mir das Thema im Zusammenhang mit einer Kunden-Website noch nie untergekommen war (zumindest nicht in diesem Ausmaß).

Also schlug ich vor, all diese Inhalte künftig zuerst auf der eigenen Website zu veröffentlichen und anschließend Kopien dieser Inhalte an die bereits genutzten Plattformen rauszugeben. Der Kunde fragte mich, warum die Veröffentlichung in dieser Weise besser sein sollte. Schließlich erfreuten sich bisher alle an der einfachen Bedienung der verschiedenen Plattformen.

Und das verstehe ich auch. Man braucht nicht lange, um einen Facebook-Post zu produzieren: Man gibt ein, was auch immer man zu sagen hat, lädt Fotos oder sogar ein Video dazu hoch und fertig. Innerhalb weniger Minuten hat man etwas im Web veröffentlicht. Aber einige wichtige Fragen gibt es hier dennoch: Wie lange wird dieser Inhalt dort verfügbar sein? Können andere Nutzer in ein paar Monaten immer noch auf diese Informationen zugreifen? Wie sieht es in fünf Jahren aus?

Wenn es um das Veröffentlichen von Inhalten im Web geht, neigen die Menschen dazu zu denken: das Web vergisst nicht, das Internet vergisst nie! Wenn man einmal etwas online gestellt hat, bleibt es für immer dort. Das ist aber nicht unbedingt richtig. Das einzige, was diese Inhalte über die Zeit hinweg verfügbar macht ist die URL. Wenn es die URL nicht mehr gibt, ist auch der Inhalt nicht mehr verfügbar.

Das Problem hierbei ist, dass man über die zukünftige Verfügbarkeit der Inhalte nicht selbst entscheiden kann, wenn man die URLs die die eigenen Inhalte beherbergen nicht unter seiner Kontrolle hat. Diese Entscheidung liegt bei Firmen wie Facebook oder Twitter. Und wenn eine dieser Dienste eines Tages verschwindet, verschwinden die Inhalte mit ihnen.

Man könnte argumentieren, dass das niemals passieren wird. Wie könnte es eine Firma so groß wie Facebook eines Tages nicht mehr geben? Tatsache ist, dass davon schon viele Firmen im Web betroffen waren. Niemand hätte sich je vorstellen können, dass Seiten wie Del.icio.us, Readability, Picasa, Google Code, Editorially, Google Reader, Posterous and Gowalla (um nur ein paar zu nennen) eines Tages dicht machen würden. Und trotzdem kam es dazu.

Wenn ein solcher Dienst schließt könnte man denken: na gut, die URLs sind weg, aber die Inhalte, die ich dort veröffentlicht habe, waren mir sowieso nicht so wichtig, also wen interessiert das schon?

Die Annahme hierbei ist: meine Inhalte sind mir nicht wichtig. In der Realität können diese Inhalte aber durchaus für andere Menschen wichtig sein. Während es einem selbst vielleicht egal ist, ob die eigenen Inhalte aus dem Web verschwinden, ist es anderen meistens nicht egal. Menschen bookmarken sich Seiten, verlinken sie oder schreiben sogar Bücher und erwähnen eine URL als Referenz.

Nur wenn man seine Inhalte auf seiner eigenen Website veröffentlicht, kann man sicher stellen, dass diese auch in Zukunft erreichbar sein werden. Das heißt nicht, dass man keine Inhalte mehr auf den Plattformen von Drittanbietern veröffentlichen sollte, aber ich rate jedem dazu, zuerst auf seiner eigenen Seite zu posten und anschließend Kopien an die einzelnen Plattformen zu schicken (POSSE). Auf diesem Weg kann man selbst entscheiden, was mit den eigenen Inhalten passiert und gleichzeitig bestimmte Zielgruppen auf den einzelnen Plattformen erreichen.

Was unseren Kunden angeht, freue ich mich schon darauf, einige der IndieWeg-Prinzipien auf seiner Website zu integrieren – nicht zuletzt auch deshalb, weil ich glaube, dass das Bewahren auf lange Zeit genau deren Ding ist (unser Kunde ist ein Museum).

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf meiner Website in englischer Sprache veröffentlicht.